6 Fragen

…Das Gefühl anstrengungsfreier Handlung […]entsteht, weil wir lehren, wie man willkürliche Handlungen in derselben Art und Weise ausführt, wie die reflexhaften Bewegungen des Körpers. Dieses Gefühl fehlenden Widerstandes ist angenehm, so wie alle Handlungen, bei denen die willkürliche Kontrolle die unwillkürlichen Funktionen nur steuert, sich jedoch nicht widersprüchlich zu einem der niederen Nervenzentren verhält.“

Moshé Feldenkrais (Higher Judo 1962)

6 Fragen an die Feldenkrais-Methode®

  1. Was ist das Besondere an der Feldenkrais-Methode®?

    Sowohl in den Gruppenstunden (Bewusstheit durch Bewegung®) als auch in der Einzelarbeit (Funktionale Integration®) werden Bewegung, Berührung und Selbstwahrnehmung genutzt, um den einzelnen Menschen in seiner momentanen Verfasstheit (Embodiment) anzusprechen. Dies geschieht über seine Handlungsplanung und seine Sensorik (Druck, Gleichgewicht, Kinästhetik, Atem). Dadurch gelangen Verhaltensmuster und Haltungsweisen ins Licht einer wohlwollenden Aufmerksamkeit. Die Teilnehmer entdecken neue Wahlmöglichkeiten.


2. Welches sind die grundlegenden Lehrsätze der Feldenkrais-Methode®?

– Wenn du weißt wie du etwas tust, wird es sich langsam verändern.
– Wirkliches Lernen, etwa wie ein Säugling in seinem ersten Lebensjahr sich in der Schwerkraft lernt zu bewegen, ist ein Lernen aus sich heraus. Die alleinige Orientierung an äußeren Maßstäben stört die Entfaltung des eigenen Potentials.
– Ein Weniger an Anstrengung ermöglicht ein mehr an Wahrnehmung und damit das Erlangen von Wahlmöglichkeiten.
– Verletzungen, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sind zumeist der neuralgische Punkt eines unbewussten Musters. Dieses war einst vielleicht sehr nützlich (Schonhaltung, Schutz, Kompensation), zeigt sich jedoch im Fluss des Lebensprozesses auf Grund eines Mangels an Anpassungsfähigkeit zunehmend als problematisch.
– Anstatt sich mit dem abzumühen, was schwer geht, ist es nachhaltiger die Teile weiter zu fördern, die im Kontext eines Bewegungszusammenhangs schon Spielraum aufweisen. Wenn sich ein Teil einer Funktion verbessert, wirkt sich dies immer auch auf alle anderen Teile aus.

3. Für wen eignet sich das Verfahren?

Die Feldenkrais-Methode ist für sich kein Heilverfahren, dass bestimmten Störungsbildern zugeordnet werden kann. Letztlich hat jeder, der sich achtsam auf die Bewegungslektionen einlässt, die Möglichkeit sich von inneren Hemmungen und eingefrorenen Verhaltensweisen zu lösen. Hierdurch beginnt er jenes Potential in sich abzurufen, dass in einem jedem Menschen nur darauf wartet, sich entfalten zu können. Dies geschieht, wenn nach und nach ein Gefühl von Stimmigkeit und Offenheit für Neues zur gewohnten Haltung wird. Eine Neugierde auf das noch nicht Gewusste verdrängt die Angst, sich von Vertrautem zu Lösen. Hierbei setzt jeder da an wo er ist, indem er einfach nur jenen Teil der Bewegung macht, die ihm bequem ist. Das Bemühen, etwas unbedingt leisten zu wollen wird ersetzt durch ein gezieltes Nichttun und eine Präzision im Beginnen. Wo Schmerz, Bewegungseinschränkungen und andere körperliche und persönliche Besonderheiten eine Bewegung schwer möglich machen, kann durch ein Einfühlen in die Vorstellung der Bewegung Lernen dennoch möglich werden. Es geht um einen sensiblen Dialog mit unserem Gehirn und weniger um eine das eigene Vermögen auf die Probe stellende Muskelübung. Ein solcher Zugang zu Bewegung macht Feldenkrais geeignet für Leute, die eine Vertrautheit mit dem eigenen Körper kaum kennen, diesen gar als eher feindliches Territorium voller unerwünschter Empfindungen erfahren. Die Erfahrung eines sich wohlfühlenden, vertrauten, im Fluss sich befindenden Körpers kann hier zu einer wirksamen Ressource werden, um in verworrenen, schicksalhaft anmutenden, krisenhaften Lebenssituationen Halt und Zuversicht zu verspüren.



4. Was bietet die Feldenkrais-Methode®?

Einfühlung (ohne Bewertung) in das eigene Tun und Selbstannahme werden als grundlegende Fähigkeiten gefördert. Die Erfahrung ungewohnter Bewegung, welche die Aufmerksamkeit fesselt, erreicht den ganzen Menschen; auch Anteile seines Seins, welche dem Verstehen schwer zugänglich sind. Schließlich ist unser Bewusstsein nur an einem Bruchteil des in jedem Moment ablaufenden Lebensprozesses beteiligt. Oft tun wir etwas tausende male, ohne zu wissen wie wir es tun. Das Feedback, welches der Mensch durch achtsam ausgeführte Bewegung erhält, hilft nun nicht nur seine Bewegungen nach seinen Wünschen zu verfeinern. Durch ein Mehr an Orientierung und Wahrnehmung entsteht ein Gefühl von Sicherheit. Der Stresslevel reguliert sich und emotionale Neutralität (Gelassenheit) wird möglich. Das macht die Feldenkrais-Methode® häufig zu einem Türöffner für therapeutische und spirituelle Prozesse, bei denen die Klienten einen aus der eigenen Geschichte sich entwickelten Mangel an Selbstwahrnehmungsfähigkeit, Standfestigkeit und Ausgeglichenheit aufweisen. Egal ob zur Stress- und Verletzungsprävention, zur Selbstentwicklung (Sport, Ausdruck, Selbstbild) oder therapiebegleitend hat sich Feldenkrais als wirksames Verfahren zum Erlangen von Leichtigkeit, (Körper-)Bewusstheit und Selbstwirksamkeit bewährt.

5. Was muss der Klient aufbringen?

Jeder macht in den Feldenkraisstunden immer nur den Teil einer Bewegung, der jetzt schon leicht geht. Es gibt also keine allgemeines Maß oder Ziel. Von daher ist die Schwelle zum Eintritt in feldenkraisische Bewegungserfahrungen extrem niedrig. Hinzukommt, dass die Teilnehmer dazu eingeladen sind, auch mal zu entscheiden etwas gar nicht oder nur in der Vorstellung mitzumachen, wenn Bewegungen mit Einschränkungen oder Schmerzen einhergehen. Das neurobiologische Feedback findet zumeist dennoch statt und ist in keinster weise an die Vollständigkeit oder das Ausmaß der Bewegung geknüpft; d.h. also Mut zur Lücke. Wenn sie bedenken haben, ob sie auf Grund ihrer momentanen Konstitution oder ihrer Vorgeschichte (Erkrankungen, Verletzungen, Traumata) in den Kursen oder Einzelstunden einen sicheren und wirksamen Rahmen für sich finden können, sind sie eingeladen, dies vorab in einem vertrauensvollen Gespräch zu klären.

6. Welche Haltung nimmt der Feldenkrais-Lehrer ein?

An erster Stelle steht der Respekt vor Ihrer Würde und der Glaube an Ihr persönliches Potential. Der Feldenkrais-Lehrer kann auf eine Kompetenz aufbauen, welche aus seinen eigenen Lernerfahrungen beruht und Ihm ein besonderes Sehen und Einfühlungsvermögen ermöglicht. Dennoch ist für ihn sein eigenes Lernen nicht der Maßstab für sein Angebot an Sie. Im Gegenteil wertschätzt er besonders Ihre eigenen Lösungen und Bewegungsvarianten. Schutzmechanismen und das eigene Tempo im Lernen zeigen sich oft in körperlicher Anspannung, dem Atem oder anderen autonomen Reaktionen. Sensibel hierfür und bemüht, wichtige Grenzen zu wahren, sucht der Feldenkrais-Lehrer eine Klarheit in der Ab- (oder An-) sprache wie auch in der Berührung (in den Einzelstunden) und lässt sich von Ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen leiten. Er stellt einen sicheren Rahmen zur Verfügung und lässt Ihnen Zeit zur Orientierung, Ausprobieren und dem Entdecken neuer Wahlmöglichkeiten.